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SUMMARY:50 Jahre Köln Concert &ndash\; neu erleben
DESCRIPTION:Fließende Grenzen zwischen Klassik und Jazz\n\n\n\nShinnosuke 
 Inugai eröffnet den Abend mit klassischen Werken\, die sich auch im Jazz 
 wiederfinden – Bach\, Scarlatti\, Kapustin\, Debussy – sowie seinen he
 rausragenden Improvisationen\, aus dem Stegreif musikalische Klangwelten\,
  die sich jeder Kategorie entziehen – persönlich\, berührend und stets
  überraschend.\n\n\n\nZum 50-jährigen Jubiläum widmet sich Benjamin Sch
 atz nach der Pause einem der bekanntesten Klavieraufnahmen in der Geschic
 hte des Jazz: Keith Jarrett „The Köln Concert“. 1975 in der Kölner O
 per uraufgeführt\, hat es seither Millionen Fans begeistert. Der Pianist 
 aus Wien interpretiert dieses legendäre Werk mit Feingefühl und einem ti
 efen Gespür für dessen emotionale Kraft. Sein Spiel versteht sich nicht 
 als bloße Nachbildung\, sondern als lebendige Hommage - ganz im Geiste de
 r Spontaneität\, die das Original so berühmt gemacht hat.\n\nIn diesem Z
 usammenhang möchte ich auf den Kinofilm „Köln 75“ hinweisen\; er erz
 ählt die unglaubliche Entstehungsgeschichte des Konzerts\, das wir der at
 emberaubenden Beharrlichkeit einer 18-Jährigen zu verdanken haben.\nFünf
  Spiegel des Augenblicks\nBach - Scarlatti ‒ Debussy ‒ Kapustin ‒ Ja
 rrett\n\nBach: Präludium in C-Dur\, BWV 846\n\nBachs Präludium ist reine
  Harmonie in Bewegung ‒ kein Thema\, kein Motiv\, nur ein stetiger Fluss
  von gleichmäßig ruhig arpeggierten Akkorden\, der wie Atem wirkt und si
 ch fort und fort moduliert. Weniger ein zielgerichtetes Stück als ein Zus
 tand. Bach denkt die Musik als Raum\, durch den sich die Harmonik bewegt\,
  ein improvisierter Weg durch Tonarten und Farben. Diese Idee\, Musik als 
 wandernde Spannung und Auflösung\, wird später zur Grundlage des\nJazz. 
 Aus Ordnung entsteht Freiheit.\n\nScarlatti: 2 Sonaten\, c-Moll und h-Moll
 \n\nBei Domenico Scarlatti verdichtet sich Bewegung zum Augenblick. Seine 
 Cembalosonaten sind funkelnde Miniaturen aus Klang und Geste\, spontan und
  präzise zugleich. Wo Bach baut\, tastet Scarlatti ‒ neugierig\, körpe
 rlich\, frei. Seine Musik denkt nicht in Entwicklung\, sondern in Präsenz
 : jede Wendung ist Entscheidung\, jeder Klang ist jetzt. Der Virtuose wird
  zum Denkenden\, das Ornament zum Gedankenblitz.\n\nDebussy: La plus que l
 ente\n\nÜber ein Jahrhundert später hört Debussy der Zeit selbst zu. La
  plus que lente ‒ „noch langsamer als langsam“ - ist eine ironische 
 Anspielung auf den damals populären langsamen Walzer. Dieser Walzer träu
 mt\, schwebt\, der Rhythmus löst sich\, das Tempo wird Empfindung. Debuss
 y verwandelt Bewegung in Schweben\, Ironie in Sehnsucht. Der Tanz blickt i
 n den Spiegel und lächelt.\n\nLassen Sie mich noch kurz etwas zur Entsteh
 ungsgeschichte dieses Werkes sagen\, zu seinem sehr persönlichen\, ja int
 imen Hintergrund:\n\nIm Jahr 1905 hatte Debussy eine kurze\, intensive Lie
 besbeziehung zu Camille Claudel\, der berühmten Bildhauerin\, Muse und Sc
 hülerin Rodins. In ihrer Biographie findet sich eine anrührende Szene: D
 as Paar tanzt durch die nächtlichen Straßen von Paris\, eng aneinander g
 eschmiegt\, langsam und noch langsamer im Rhythmus imaginierter Klänge ei
 nes Walzers.\nIn Erinnerung an diesen Walzer schuf Camille ihr persönlich
 stes\, intimstes Werk\, eine Skulptur\, Debussy wiederum hielt seine Erinn
 erung in dieser zauberischen Komposition fest. La Plus que lente.\n\nKapus
 tin: Klaviersonate Nr. 2\, op. 54\n\nUnd schließlich vereint Kapustin zwe
 i Welten\, die klassische\, strukturelle Logik und die improvisatorischeFr
 eiheit des Jazz. Seine zweite Klaviersonate klingt\, als entstamme sie ein
 em einzigen\, inspirierten Moment und ist doch streng gebaut. Hier wird de
 r Rhythmus selbst zum Formprinzip\, das spontane Denken zur strukturellen 
 Klarheit. Kapustin komponiert\, wie ein Jazzpianist improvisiert: logisch\
 , lebendig\, frei.\n\nKeith Jarrett: The Köln Concert\n\nJarrett verwande
 lt ein Solo-Konzert in eine Welt aus Klang und Moment.Improvisation ist hi
 er nicht Mittel zum Zweck\, sondern das Wesen der Musik selbst: jeder Ton 
 entsteht im Jetzt\, jeder Akkord atmet\, jede Linie lebt. Einschränkungen
  ‒ ein unvollkommener Flügel\, ein unbekannter Raum ‒ werden zu Inspi
 rationsquelle\, zu spontaner Kreativität. Das Gefühl ist unmittelbar: Fr
 eude\, Melancholie\, Staunen\, Freiheit.\n\nWie Bach Harmonie schafft\, Sc
 arlatti Bewegung\, Debussy Schweben und Kapustin rhythmische Logik\, so sc
 hafft Jarrett Klang als Erlebnis ‒ lebendig\, gegenwärtig\, unendlich i
 ntim.\n\nFassen wir zusammen: Bach ordnet den Klang\, Scarlatti entfacht i
 hn\, Debussy lässt ihn schweben\, Kapustin tanzen\, Jarrett lässt ihn at
 men. Fünf Stimmen\, ein Gedanke: Musik ist nie Vergangenheit. Sie ist imm
 er ein Jetzt ‒ der Augenblick\, in dem Klang zu Bewusstsein wird.
LOCATION:Festeburgkirche\, An der Wolfsweide 58\, Frankfurt am Main-Preunge
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